Mobilität der Zukunft

Sauber und mobil – Wie werden unsere Kinder einmal unterwegs sein? Individuelle Bedürfnisse befriedigen und zugleich an das große Ganze denken – die Mobilität der Zukunft muss die Wünsche des Einzelnen kennen und zugleich sicher, sauber, effizient und vor allem nachhaltig sein.

Alles eingepackt? Dann schnell die Kinder zur Schule gefahren und danach ins Büro.

Morgens um acht, alle sind bereit zum Abmarsch: Papa hat um neun die erste Team-Besprechung, auf dem Weg zur Arbeit setzt er noch schnell die kleine Sarah in der Kita ab. Der Zweitklässler Jonas stapft derweil mit den Nachbarskindern zu Fuß in Richtung Schule los, seine Mutter saust inzwischen mit dem Zweitwagen der Familie zur Praxis, hier warten schon ihre ersten Patienten. Am Nachmittag heißt es dann, den Nachwuchs wieder einsammeln, der Junge muss noch zum Fußballtraining im Nachbarort, zum Glück liegt der Supermarkt auf der Route.

Job, Kinderbetreuung, Haushaltsorganisation – Familien sind heute ständig auf Achse und das meist motorisiert, vor allem wenn sie nicht gerade mitten in der Großstadt wohnen. Arbeiten beide Elternteile, steht in der Garage meist noch ein Zweitwagen neben der Familienkutsche, um die täglichen Anforderungen bewältigen zu können. Zusätzlich etwa haben sich die Wege zur Arbeit in den vergangenen Jahren im Durchschnitt verlängert: 1996 lag der Arbeitsplatz noch für mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland näher als zehn Kilometer, so das Statistische Bundesamt. 2008 galt das nur noch für 45 Prozent der Arbeitnehmer. Berufliche Mobilität, die von jedermann längst erwartet wird und Bestandteil der globalisierten Wirtschaftsordnung ist, bringt auch häufigere Job- und Wohnortwechsel mit sich, sei es für die ganze Familie oder nur den Arbeitnehmer. Dann heißt es Pendeln am Wochenende, manchmal quer durch die Republik. Und weil auch die Großeltern schon längst nicht mehr mit uns unter einem Dach, sondern Hunderte Kilometer weit weg wohnen und die alten Freundschaften am früheren Lebensort gepflegt werden wollen, sitzen wir inzwischen viele Stunden unseres Lebens in Autos, Zügen oder Flugzeugen.

Der Mensch ist mobil – und soll es auch bleiben können

Mobilität ist ein Grundbedürfnis der Menschen, bedeutet Fortschritt und Weiterentwicklung.

Mobilität, Beweglichkeit, so die Übersetzung des lateinischen mobilitas, ist ein Grundbedürfnis des Menschen und zugleich Motor der gesellschaftlichen Veränderung. Selbst die Sinne mussten immer wieder umlernen, wenn neue Verkehrstechnologien wie Eisenbahn oder das Automobil Einzug in unser Leben hielten und es beschleunigten. Wirtschaftliche Verhältnisse, technologische Möglichkeiten, neue Lebensstile, sie alle haben Einfluss auf das Mobilitätsverhalten des Menschen. Individuell und flexibel, so wollen und müssen wir heute unterwegs sein. Zugleich nimmt das Bewusstsein zu, dass wir dabei nicht auf Kosten unserer Kinder und Enkel leben dürfen, und wir wollen schonen, was geschont werden muss: unsere Gesundheit, Umwelt und Ressourcen.

Heute suchen daher zahlreiche Experten nach Antworten auf die dringende Frage: Wie erreichen wir eine Mobilität, die nachhaltig ist, schadstoffarm bzw. schadstofffrei und zugleich den Anforderungen einer modernen, globalisierten Gesellschaft und den unterschiedlichen Bedürfnissen des Einzelnen genügt? Und die uns unabhängig werden lässt von den zur Neige gehenden Rohstoffressourcen? Technik und Gesellschaft gleichermaßen im Blick zu haben, ist Aufgabe für interdisziplinäre Expertenteams, in denen Ingenieure und Sozialwissenschaftler, Physiker und Philosophen, gemeinsam Szenarien entwerfen, wie die mobile Welt von Morgen aussehen könnte. Auch in der „Society and Technology Research Group“ der Daimler AG, einer Zukunftsabteilung, in der mehr als 60 Wissenschaftler, Doktoranden und Studenten arbeiten, ist Querdenken gefragt, wenn es um die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte und Technologien geht.

Es gibt keinen Königsweg

Elektrofahrzeuge mit Batterie oder Brennstoffzelle sind bereit für den Alltagseinsatz.

Die Lösungen können nur maßgeschneidert sein, zugeschnitten auf die unterschiedlichen Bedürfnisse in einer pluralistischen Gesellschaft, da sind sich die Fachleute einig. Vielfältig müssen die Ansätze zudem sein, denn nicht alle neuen, Erfolg verheißenden Technologien sind von jetzt auf gleich flächendeckend und für jeden Fahrzeugtyp einzusetzen. In den nächsten Jahren aber, so die Experten, könnten Elektrofahrzeuge mit Batterie für einen Großteil des täglichen Mobilitätsbedarfs die geeigneten Fahrzeuge sein. Mit einer Reichweite von derzeit etwa 200 Kilometern pro „Tankladung“ – und sie wird zukünftig weiter ausbaufähig sein – sind sie ideal für den Weg zum Supermarkt, zur Schule oder zum Job. Für mittlere Reichweiten stellen modernste Hybridfahrzeuge, die die Leistung von Verbrennungsmotoren und Elektroantrieben je nach Fahrsituation optimal kombinieren, eine Lösung dar. Auf langen Strecken können neueste Hightech-Verbrennungsmotoren mit und ohne Hybridmodul den Kraftstoffverbrauch schon heute deutlich senken. Und was vor ein paar Jahren nach Zukunftsmusik klang ist heute schon Realität geworden: Elektroautos mit Brennstoffzellen erzeugen mit Hilfe von Wasserstoff den Fahrstrom direkt an Bord – sind für alle Distanzen
geeignet und ermöglichen damit emissionsfreies Fahren auf der Autobahn wie in der City.

Wirtschaftsverkehr nachhaltig organisieren

Ob Individualverkehr oder Gütertransport: Die Mobilität der Zukunft muss verschiedenen Ansprüchen gerecht werden.

Um Mobilität nachhaltiger zu gestalten, müssen nicht nur neue Konzepte für den Individualverkehr gefunden, sondern auch der Gütertransport sowie der öffentliche Personenverkehr einem Nachhaltigkeitscheck unterzogen werden. Denn allein auf deutschen Straßen wurden im vergangenen Jahr trotz Wirtschaftskrise mehr als drei Milliarden Tonnen Fracht transportiert, so das Statistische Bundesamt. Eine intelligentere Logistik könnte in Zukunft helfen, die Verkehrslast zu senken, so die Ansicht von Experten wie Ulrich Wagner vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR (siehe Interview). Schon jetzt lassen sich Kraftstoffverbrauch und das Emissionsverhalten von Lkw und Nutzfahrzeugen deutlich senken, ohne dabei Abstriche bei der Leistung machen zu müssen. Etwa durch neue Dieseltechnologien, die den Verbrauch und den CO2-Ausstoß pro Tonne Nutzlast nahezu halbieren sowie Partikel und Stickoxide gar um 98 verringern. Alternativer Treibstoff zum Diesel ist beispielsweise Erdgas, schon heute sind damit Busflotten und Entsorgungsfahrzeuge in zahlreichen Großstädten weltweit unterwegs. Auch neue Kraftstoffe, allein oder in Kombination mit herkömmlichen wie Benzin und Diesel, tragen dazu bei, in allen Fahrzeugsparten den Schadstoffausstoß weiter zu reduzieren. Auch die Brennstoffzellentechnik ist für den Nahverkehr einsatzbereit - die zweite Generation emissionsfrei fahrender Busse ist seit 2010 unterwegs.

Arbeiten an einer neuen Infrastruktur

Keine Zukunftsvision mehr - Tanken an der Steckdose.

Neue Antriebstechnologien allein sind noch nicht die Lösung, wenn es darum geht, kurz-, mittel- und vor allem langfristig nachhaltige Verkehrssysteme zu erreichen. Die Infrastruktur muss weiter ausgebaut werden, wenn in Zukunft immer mehr Menschen auf dem Globus umweltschonend mobil sein wollen. Denn aktuell sind Fahrer von Elektroautos meist lange auf der Suche, bis sie eine geeignete Ladestation zum „Auftanken“ ihrer Fahrzeuge gefunden haben. Daimler beispielsweise arbeitet daher mit anderen Unternehmen zusammen, etwa dem Stromkonzern RWE, um im Rahmen des 2008 gestarteten Modellprojektes „e-mobility Berlin“ das Netz von Stromladestationen in der deutschen Hauptstadt auszubauen. Eine Flotte von über hundert Elektroautos soll bald an der Spree unterwegs sein. In diesem Jahr startet das Konzept in den italienischen Städten Rom, Mailand und Pisa, weitere Feldversuche in Europa und den USA sollen folgen. Ähnliche unternehmensübergreifende Initiativen, die auch die Infrastruktur der Wasserstoffversorgung für Elektroautos mit Brennstoffzellen ausbauen sollen, sind schon gestartet.

Der internationale Trend weist in die Metropolen

"Bus Rapid Transit", kurz: BRT-System (Istanbul): Eine exklusive Spur für Busse erhöht das Transportvolumen des öffentlichen Nahverkehrs.

In vielen Teilen der Welt erleben Städte einen starken Zuzug, waren vor 60 Jahren noch zwei Drittel der Weltbevölkerung Landbewohner, werden im Jahr 2030 an die 70 Prozent der Menschen auf dem Globus in Städten leben, so die Prognose der Vereinten Nationen. Für diese Ballungsräume mit hohem Verkehrsaufkommen sind daher neue Mobilitätskonzepte gefragt, die flexibel und umweltschonend zugleich sind: eine bessere Vernetzung von Individual- und öffentlichem Verkehr etwa oder auch Carsharing mit emissionsfreien Pkw.

Die Daimler-Initiative „car2go“ beispielsweise, 2008 als Modellversuch in Ulm gestartet und inzwischen auch im texanischen Austin eingeführt, erlaubt es einmalig registrierten Benutzern, sich die auf dem Stadtgebiet bereitgestellten Elektrofahrzeuge auszuleihen und nach dem Gebrauch wieder auf einem markierten Parkplatz abzustellen. Abgerechnet wird im Minutentakt, dabei sind in den 19 Cent pro Minute Mietgebühr schon alle Kosten, auch Sprit und Versicherung, enthalten.

Ein anderes Modell erprobt neue Verkehrssysteme für Busse: Abgetrennte Fahrspuren mit eigener Ampelschaltung sollen den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen, in Metropolen wie Istanbul oder der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá etwa wird das System schon eingesetzt. Dieser internationale Weitblick ist unumgänglich, denn während die Einwohnerzahlen in vielen Industrienationen eher schrumpfen und der Motorisierungsgrad in diesen Gesellschaft schon kaum mehr zu steigern ist, holen Wachstumsländer wie China, Indien und Brasilien die Massenmobilisierung jetzt nach. Nachhaltige Konzepte und Technologien sind daher weltweit gefragt, um globale Probleme wie den Klimawandel, Ressourcenknappheit und Umweltverschmutzung zu lösen. Wenn es gelingt, Lebensqualität, Mobilitätsbedürnisse und Nachhaltigkeit in der Zukunft miteinander zu vereinen, haben auch noch unsere Kinder die Chance, so mobil zu sein, wie sie es möchten.

Frage:
Ist ein nachhaltiger und bewusster Umgang mit Ressourcen ein Thema innerhalb Ihrer Familie (z.B. Verbrauch von Strom, Wasser, Benzin)?
4 Nutzern gefällt das

1 Kommentar

Haygö's picture
Haygö

:-)



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