„Wir kommen, wenn andere nicht mehr weiterwissen“

MobileKids widmet sich in einer neuen Serie dem Thema „Notfälle im Alltag“. In Teil 3 erzählt Feuerwehrfrau Tanja Hellmann, was Kinder im Ernstfall tun sollten – und warum es so wichtig ist, ruhig zu bleiben und Hilfe zu holen.

MobileKids: Hallo Frau Hellmann. Erinnern Sie sich an Ihren ersten Einsatz bei der Feuerwehr?

Tanja Hellmann: Ja. Meine allererste Schicht begann direkt mit einer Ölspur auf der Straße – eher unspektakulär, aber wichtig für die Verkehrssicherheit. Kurz darauf hatte ich meinen ersten Wohnungsbrand. Der Treppenraum war komplett dunkel, man hat nichts gesehen, nur das Feuer gehört. In diesem Moment habe ich gemerkt, wie wichtig eine gute Ausbildung ist. Ich war gut vorbereitet und wurde deshalb nicht überrascht.

MobileKids: Wie sind Sie zur Feuerwehr gekommen? War das schon immer ein Kindheitstraum?

Tanja Hellmann: Ich bin mit 14 in die Jugendfeuerwehr in meinem Dorf eingetreten – das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Dort haben wir als Gruppe viele spannende Dinge gemacht, zum Beispiel Schläuche ausgerollt oder ein Strahlrohr angebaut. Das hat mich geprägt, weil es viel um Teamwork ging: gemeinsam ein Ziel zu erreichen und dabei etwas Praktisches zu tun – drinnen wie draußen. Später habe ich zwar zuerst eine kaufmännische Ausbildung gemacht, aber gemerkt, dass reine Büroarbeit nichts für mich ist. Über eine Ausbildung zur Rettungsassistentin habe ich schließlich den Weg zur Feuerwehr gefunden.

MobileKids: Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf besonders?

Tanja Hellmann: Die Sinnhaftigkeit und die Abwechslung. Ich gehe zur Wache und weiß für die nächsten 24 Stunden nicht, was passiert. Aber egal, ob es ein großer oder kleiner Einsatz ist: Für die Betroffenen ist es immer wichtig. Es gibt keinen klassischen Arbeitsalltag, keine Feiertage, keinen festen Rhythmus. Unsere Feuerwehr ist seit über 100 Jahren rund um die Uhr im Einsatz – darauf kann man stolz sein.

MobileKids: Was bestimmt viele interessiert: Wie läuft ein Alarm bei Ihnen auf der Wache ab? In Kinderbüchern sitzt die Feuerwehr beim Essen – dann kommt der Notruf, und alle rutschen die Stange runter. Ist das wirklich so?

Tanja Hellmann: Ja, die Rutschstange gibt es tatsächlich noch. Wenn ein Notruf eingeht, entscheidet der Disponent, welche Fahrzeuge gebraucht werden. Nur die dafür eingeteilten Einsatzkräfte werden alarmiert – mit Licht und einem Signalton. Dann wird alles stehen und liegen gelassen, man rutscht die Stange hinunter, zieht die Einsatzkleidung an und sitzt innerhalb von 90 Sekunden im Fahrzeug. Auch nachts werden nur die Betroffenen geweckt. Sobald das Licht im Zimmer angeht, ist man sofort hellwach, darauf ist man als Feuerwehrfrau trainiert.

Zur Person

Tanja Hellmann ist seit 2005 bei der Feuerwehr Dortmund tätig. Nach ihrer Zeit bei der Jugendfeuerwehr absolvierte die 41-Jährige zunächst eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Über eine Ausbildung zur Rettungsassistentin führte sie ihr Weg schließlich zur Berufsfeuerwehr. Auf der Wache in Dortmund leitet sie heute die Spezialeinheit Technische Rettung, die darauf trainiert ist, Schneidgeräte und Spreizer einzusetzen, um eingeklemmte Personen aus verunfallten Fahrzeugen zu befreien.

MobileKids: Wie erklären Sie Kindern, warum Ihre Arbeit so wichtig ist?

Tanja Hellmann: Wir kommen immer dann, wenn Menschen – auch Kinder – nicht mehr weiterwissen und sich selbst nicht helfen können, ohne sich in Gefahr zu bringen. Bei Feuer, bei Verletzungen oder medizinischen Notfällen kann man jederzeit die 112 anrufen. Wir sind gut ausgebildet, haben die richtige Ausrüstung und sind in der Regel sehr schnell vor Ort, meist innerhalb weniger Minuten.

MobileKids: Was sollten Kinder tun, wenn sie einen Unfall oder ein Feuer beobachten? Und was können sie tun, damit Sie im Straßenverkehr schneller helfen können?

Tanja Hellmann: Das Wichtigste ist, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, also zum Beispiel nicht auf die Straße zu laufen. Wenn möglich, einen Erwachsenen ansprechen. Ist keiner da, die 112 anrufen, die Situation beschreiben und in der Leitung bleiben. Erwachsene sollten zudem eine Rettungsgasse bilden. Wenn alle aufmerksam reagieren, kommen wir schneller zur Einsatzstelle – und das kann Leben retten.

MobileKids: Welche Tipps geben Sie Kindern, die selbst in eine Notlage geraten?

Tanja Hellmann: So schwer es ist: ruhig bleiben und überlegen, ob und wie man sich selbst in Sicherheit bringen kann. Zum Beispiel den Raum verlassen und die Tür schließen, wenn es brennt. Danach Hilfe holen, die Feuerwehr rufen oder einen Erwachsenen verständigen.

MobileKids: Was möchten Sie Kindern mitgeben, die überlegen, selbst Feuerwehrfrau oder Feuerwehrmann zu werden?

Tanja Hellmann: Feuerwehr ist viel mehr als nur Brände löschen. Es gibt viele verschiedene Aufgabenbereiche, vom Einsatzdienst über die Leitstelle bis zu Spezialeinheiten. Wer zur Feuerwehr möchte, sollte sportlich fit sein und sich in der Schule anstrengen. Und das Wichtigste überhaupt: Teamfähigkeit. Der Beruf ist sehr herausfordernd – aber einer, der unglaublich glücklich macht.