MobileKids-Schulmaterial Modul 1: Sehen und gesehen werden

Sehen bildet neben Hören eine wesentliche Grundlage für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr. Das Modul 1 schult das visuelle Wahrnehmungssystem von Kindern. Das Modul ist besonders für Kinder in der ersten Grundschulklasse geeignet.

Wer im Straßenverkehr unterwegs ist, setzt sich einer wahren Flut von visuellen Reizen aus. Gerade Kinder haben aber Probleme, im Straßenverkehr bedeutsame von unbedeutsamen Reizen und Situationen unterscheiden zu können. Ihre Aufmerksamkeit und die Konzentrationsfähigkeit sind nicht mit der eines Erwachsenen zu vergleichen. Problematisch ist dies vor allem deshalb, weil sich Kinder gerne von Dingen ablenken lassen, die nichts mit dem Straßenverkehr zu tun haben (z. B. Tiere, andere Kinder, Schaufensterauslagen, auffällige Läden, ein Kiosk). Im Gegensatz dazu finden verkehrsrelevante Reize wie Ampeln, Verkehrsschilder oder Signale und Handzeichen von anderen Verkehrsteilnehmern sehr viel seltener Beachtung. Hinzu kommt, dass Kinder durch eine geringere Körpergröße schlecht zu sehen sind und Hindernisse ihrerseits schwer überblicken können.

Für Kinder ist es besonders wichtig, sich im Straßenverkehr durch helle, kontrastreiche Kleidung und Reflektoren optisch von der Umgebung abzuheben. Zeichen im Straßenverkehr sind in der Regel auf erwachsene Verkehrsteilnehmer ausgerichtet: Sie sind oftmals zu weit oben angebracht, um von Kindern gut wahrgenommen zu werden, oder nicht anschaulich genug dargestellt und daher für die Kleinen nur schwer verständlich. Letzteres kann zur Folge haben, dass Kinder Schilder falsch interpretieren, ähnliche Schilder miteinander verwechseln und die Bedeutung von Schildern auch schneller wieder vergessen.

Das Modul 1 auf einen Blick

  • Es richtet sich überwiegend an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 1, ist aber auch so angelegt, dass ältere Kinder ebenfalls davon profitieren können.
  • Die Thematik „Sehen und gesehen werden“ hat für diese Zielgruppe eine besondere Relevanz, da die Kinder bisher noch nicht viele eigene Erfahrungen im Straßenverkehr machen konnten und gleichzeitig aufgrund ihrer körperlichen und psychologischen Entwicklungsstufe zu den am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmern zählen.
  • Die thematischen Bausteine decken daher unterschiedliche didaktische Ziele ab, die jeweils besondere Brisanzen der Verkehrsteilnahme junger Schülerinnen und Schüler berücksichtigen.
  • Für einen nachhaltigen Lerneffekt sollten jeweils alle drei Bausteinthemen bearbeitet werden. Dafür stehen alternative Umsetzungsideen zur Auswahl.

Entwicklungspsychologische Grundlagen des kindlichen Verhaltens im Straßenverkehr

Verkehrserziehung muss auf den Entwicklungsstand der Kinder zugeschnitten sein.

  • Grundschulkinder haben eine geringere Konzentrationsfähigkeit, können ihre Aufmerksamkeit noch nicht wie Erwachsene „teilen“ und sich somit auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren. Dadurch können sie unwichtige Details nicht einfach „übersehen“, sondern widmen ihnen Aufmerksamkeit und sind auf diese Weise unter Umständen von verkehrsrelevanten Umwelteindrücken so abgelenkt, dass sie diese zu spät oder gar nicht wahrnehmen können.
  • Kinder sind als junge und unerfahrene Verkehrsteilnehmer auch nur bedingt in der Lage, die Absichten und das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer richtig zu interpretieren. Ihnen ist zum Beispiel nicht bewusst, dass die Sichtbedingungen für Fahrer und Fußgänger sehr unterschiedlich sein können. Beispielsweise, dass ein Auto fahrer Personen bei Dunkelheit und schlechter Witterung häufig erst dann erkennen kann, wenn das Scheinwerferlichtauf sie trifft. Oder, dass Personen mit dunkler Kleidung ein besonders hohes Risiko eingehen, von Autofahrern übersehen zu werden.
  • Grundschulkinder agieren laut dem Entwicklungspsychologen Jean Piaget überwiegend in der konkret-operationalen Phase. Aufgrund dieser kognitiven Entwicklungsstufe haben sie Probleme, das Symbol „Verkehrszeichen“ eindeutig mit einer konkreten Regel in Beziehung zu setzen. Darüber hinaus fehlt ihnen noch die Fähigkeit, es zu interpretieren und mit der ihm zugeschriebenen Bedeutung zu verknüpfen.

Sicheres Verhalten im Straßenverkehr

  • Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihr Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen, sie erkennen die Notwendigkeit, im Straßenverkehr aufmerksam zu sein.
  • Sie erwerben ein flexibles, situationsbezogenes Verhalten und die Fähigkeit zur Antizipation von Risiken im Straßenverkehr und zur Vermeidung von Gefahren. Sie verstehen, dass sie als Verkehrsteilnehmer stets sichtbar sein müssen und setzen dies durch die Wahl der entsprechenden Kleidungsstücke, Reflektoren etc. um.
  • Sie beteiligen sich am Straßenverkehr viel seitig und sicher. Sie deuten die für sie wichtigsten Verkehrszeichen richtig. Selbstständige Mobilität: Die Schülerinnen und Schüler beteiligen sich zunehmend selbstständig zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit Freizeitgeräten wie Tretrollern am Verkehr. Sie erwerben Kompetenzen für eine verantwortungsvolle Teilnahme am motorisierten Verkehr, indem sie die Notwendigkeit erkennen, gesehen zu werden und ein Regelverständnis aufzubauen.