MobileKids-Schulmaterial Modul 2: Überqueren der Fahrbahn

Mit dem Eintritt in die Schule erweitern viele Kinder ihren Aktionsradius und sind zunehmend ohne Begleitung unterwegs. Modul 2 soll Kinder dabei unterstützen, ein vorausschauendes Gefahrenbewusstsein für den Verkehr zu entwickeln. Es ist besonders geeignet für Kinder in der zweiten Grundschulklasse.

Kinder sind mit Eintritt in die Grundschule häufig unbegleitet im Verkehrt unterwegs, z. B. auf dem Weg zur Schule oder zu Freunden, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder der Straßenbahn. Dabei haben sie allerdings noch kein vorausschauendes Gefahrenbewusstsein entwickelt. Dies ist mit ein Grund, warum Kinder häufig in Verkehrsunfälle verwickelt werden – meistens dann, wenn sie versuchen, die Straße zu überqueren. Daher müssen Kinder früh lernen, wie sie Gefahrenquellen erkennen und wie sie sicher eine Straße überqueren können.

Eine Unfallprävention im Grundschulalter ist sehr wichtig: Kindern muss bewusst sein, dass sie aufgrund ihrer geringen Körpergröße von Autos verdeckt werden und daher kaum oder zu spät gesehen werden können. Da Kinder die Höhe von Autos nicht überragen, können sie selbst meist erst spät andere Verkehrsteilnehmer bzw. -teilnehmerinnen- sehen. Des Weiteren müssen Kinder lernen, auch dann die Fahrbahn sicher zu überqueren, wenn weder ein Zebrastreifen noch eine Ampel vorhanden ist.

Das Modul 2 auf einen Blick

  • Es richtet sich überwiegend an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 2, ist aber auch so angelegt, dass ältere und jüngere Kinder ebenfalls davon profitieren können.
  • Das Überqueren der Fahrbahn hat für diese Zielgruppe eine besondere Relevanz, da dies statistisch gesehen die häufigste Unfallursache von Kindern darstellt. Aufgrund ihrer körperlichen und psychologischen Entwicklungsstufe muss das sichere Überqueren ganz gezielt trainiert werden.
  • Die thematischen Bausteine decken daher unterschiedliche didaktische Ziele ab, die die Berücksichtigung dieser Gefahren beinhalten.
  • Für einen nachhaltigen Lerneffekt sollten jeweils alle drei Bausteinthemen bearbeitet werden. Dafür stehen alternative Umsetzungsideen zur Auswahl.

Entwicklungspsychologische Grundlagen des kindlichen Verhaltens im Straßenverkehr

Dem physischen und psychischen Entwicklungstand der Kinder muss beim Training von relevanten Situationen im Straßenverkehr Rechnung getragen werden.

  • Aufgrund ihrer Körpergröße haben Kinder große Nachteile bei der Orientierung im Straßenverkehr. Hinzu kommt, dass sie häufiger als Erwachsene die Fahrbahn überqueren, ohne sich vorher ein Bild von der Verkehrssituation zu machen. Weiterhin neigen sie dazu, die Straße rennend zu überqueren. Eine einmal begonnene Handlung können sie nur schwer unterbrechen: Wenn ihnen beispielsweise beim Spielen ein Ball auf die Straße rollt, gelingt es ihnen nicht, beim Nachlaufen des Balls am Bordstein anzuhalten, um sich vor dem Betreten der Fahrbahn zu vergewissern, dass kein Auto kommt. Diese Faktoren machen die Straßenüberquerung insgesamt zu einer kritischen und gefährlichen Situation.
  • Erst im Alter von acht Jahren sind Kinder in der Lage, auf eine Gefahrensituation angemessen zu reagieren. Das akute Gefahrenbewusstsein jüngerer Kinder ermöglicht nur das Erkennen der Situation, nicht aber das richtige Reagieren, um die Gefahr abzuwenden. Es erweist sich dabei als hinderlich, dass die rechte Gesichtshälfte oft dominiert: Auf diese Weise werden von links herannahende Objekte erst spät erkannt, was gerade beim Überqueren der Fahrbahn sehr gefährlich werden kann. Weiterhin nehmen sich Kinder beim Überqueren das Verhalten anderer Fußgänger zum Vorbild: So folgen sie z. B. blindlings Personen, die vor ihnen laufen, was ebenfalls fatale Folgen haben kann. 
  • Kinder haben noch erhebliche Schwierigkeiten, Geschwindigkeiten und Entfernungen von herannahenden Fahrzeugen richtig einzuschätzen. Ergebnisse aus verkehrspsychologischen Untersuchungen zeigen, dass Kinder bei der Einschätzung von Entfernungen etwa doppelt so viele Fehler machen wie Erwachsene. Den Kindern fehlen noch die kognitiven Voraussetzungen, um die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs anhand seiner Entfernung zu taxieren. Sie können daher nur schwer stehende von fahrenden Fahrzeugen unterscheiden bzw. schätzen die Geschwindigkeit von Fahrzeugen immer gleich ein. Für sie ist es daher besonders wichtig, Verhaltensweisen zu automatisieren, die ihnen ein sicheres Überqueren der Fahrbahn ermöglichen.

Sicheres Verhalten im Straßenverkehr

  • Die Schülerinnen und Schüler verhalten sich als Teilnehmer im Straßenverkehr umsichtig und sicherheits- und gefahrenbewusst. Sie erkennen, dass es beim Überqueren der Straße wichtig ist gesehen zu werden und achten auf den fließenden Verkehr.
  • Sie erweitern ihr Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen. Sie verhalten sich beim Überqueren der Straßen eindeutig und klar und vergewissern sich korrekt, ob die Straße frei ist.
  • Sie erwerben ein flexibles, situationsbezogenes Verhalten und die Fähigkeit zur Antizipation von Risiken im Straßenverkehr und zur Vermeidung von Gefahren.
  • Sie beteiligen sich am Straßenverkehr vielseitig und sicher. Sie deuten die für sie als Teilnehmer im Straßenverkehr wichtigen Verkehrszeichen richtig.