MobileKids-Schulmaterial Modul 4: Verkehrsteilnehmer sein

Durch ihren starken Bewegungsdrang verhalten sich Kinder im Gegensatz zu Erwachsenen im Straßenverkehr weniger kontrolliert. Modul 4 soll Kinder schulen, sensibel mit anderen Verkehrsteilnehmern umzugehen. Dieses Modul ist besonders geeignet für Kinder in der dritten Grundschulklasse.

Für andere Verkehrsteilnehmer bedeutet das Aufeinandertreffen mit Kindern eine große Herausforderung, weil diese sich oftmals unberechenbar im Straßenverkehr verhalten. Besonders kritisch wird es, wenn Kinder mit dem Fahrrad, dem Roller, dem Skateboard oder auf Inlineskates unterwegs sind. Hier müssen sie, um sicher ans Ziel zu kommen, nicht nur das Gleichgewicht halten und auf Verkehrsregeln achten, sondern auch ihren Spieltrieb unter drücken. Kinder neigen dazu, ihre Fortbewegungs mittel als Spielzeuge zu verstehen: So veranstalten sie untereinander gerne Verfolgungsjagden oder Wettrennen, bei denen sie sich im Eifer des Spielgefechts nur wenig rücksichtsvoll gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern verhalten. Um sich selbst und andere nicht zu gefährden, ist es somit gerade für Kinder wichtig, frühzeitig zu lernen, gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern Rücksicht zu üben.

Kinder müssen dahingehend sensibilisiert werden, dass sie selbst auch mit Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer rechnen müssen und nicht blind Erwachsenen über eine Straße folgen oder mit dem Fahrrad hinterherfahren können. Um das richtige vom falschen Verhalten unterscheiden zu können, müssen Kinder die Verkehrsregeln verinnerlicht haben. Erst dann können sie das Selbstbewusstsein entwickeln, das notwendig ist, um eigene Entscheidungen im Straßenverkehr über die Entscheidungen erwachsener Verkehrsteilnehmer stellen zu können.

Das Modul 4 auf einen Blick

  • Es richtet sich überwiegend an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 3 und 4, ist aber so angelegt, dass ältere und jüngere Kinder ebenfalls davon profitieren können.
  • Kinder dieser Altersgruppe nehmen verstärkt mit wachsendem Selbstbewusstsein am Straßenverkehr teil. Gleichzeitig lassen sie sich immer noch sehr vom Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, sie für die Themen „eigene Sicherheit“ und „Rücksichtnahme“ zu sensibilisieren.
  • Die thematischen Bausteine decken daher unterschiedliche didaktische Ziele ab, die den Schülerinnen und Schülern einerseits vermitteln, sich rücksichtsvoll zu verhalten und sicherheitsrelevante Maßnahmen zu treffen. Andererseits lernen sie aber auch, aufmerksam mit anderen Verkehrsteilnehmern umzugehen, ohne deren Verhalten ungeprüft zu übernehmen.

Entwicklungspsychologische Grundlagen des kindlichen Verhaltens

  • Grundschulkinder zeichnen sich durch eine große motorische Unruhe aus. Sie verhalten sich daher auch im Straßenverkehr spontan und impulsiv. Oft machen sie sich dabei über mögliche Folgen ihrer Handlungen keine Gedanken: Meist für andere Verkehrsteilnehmer unvorhersehbar, wechseln sie zwischen Rennen, Gehen, Hüpfen und unvermitteltem Anhalten. Kindern fällt es sehr schwer, beim Spielen auf dem Gehweg gleichzeitig darauf zu achten, ob andere Verkehrsteilnehmer dabei gestört werden oder gar zu Schaden kommen.
  • Sind Kinder mit Gleichaltrigen unterwegs, vernachlässigen sie den Straßenverkehr meist vollständig und sind nur noch auf ihre Freunde fixiert. Sie achten nicht mehr auf andere Verkehrsteilnehmer, verhalten sich beim Spielen rücksichtsloser, machen deutlich weniger Kopf- und Orientierungsbewegungen und neigen generell zu riskanteren Verhaltensweisen z. B. Mutproben und Wettrennen.
  • Des Weiteren können sich Grundschulkinder nur schwer in die Denk- und Sichtweise anderer Verkehrsteilnehmer hineinversetzen. Für Kinder ist es nicht ohne Weiteres verständlich, warum es für ältere oder gehbehinderte Menschen anstrengend ist, im Bus stehen zu müssen. Ihnen ist auch nicht bewusst, dass sie andere Verkehrsteilnehmer durch ihr spontanes und impulsives Verhalten vor besondere Herausforderungen stellen.
  • Mit sechs Jahren verfügen Kinder nur über ein akutes Gefahrenbewusstsein. Das heißt, sie erkennen eine gefährliche Situation erst, wenn sie eingetreten ist. Zeit zum Handeln bleibt hier kaum noch. Mit acht Jahren erkennt ein Kind jedoch eine Gefahr zunehmend im Vorfeld (vorausschauendes Gefahrenbewusstsein). Dieses Gefahrenbewusstsein kann und muss nun gefördert werden, damit die Kinder im Straßen verkehr gefährliche Situationen und die von unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern aus gehende Gefahr erkennen können.

Sozialkompetenz im Straßenverkehr

  • Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der Verkehrswirklichkeit auseinander und lernen den Verkehr als soziales System kennen, das besonderen Regeln und Normen der sozialen Interaktion unterworfen ist.
  • Sie lernen, sich flexibel und verantwortungsbewusst zu verhalten, Rücksicht zu nehmen und sich in die Rolle der anderen Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerinnen hineinzuversetzen.