Eine Kartoffel ist der Star beim Schulbustraining

23 Drittklässler aus Gera sammelten beim Schulbustraining wichtige Erfahrungen. Denn nur wer Gefahren und ihre Folgen kennt, verhält sich richtig.

Wer hat schon einmal versucht, eine rohe Kartoffel mit der Hand zu zerdrücken? 23 Kinder der Klasse 3b der Erich-Kästner-Grundschule in Jena probieren es aus, quetschen um die Wette und versuchen alles – am Ende geben sie aber erfolglos auf. So wie die Erwachsenen. Die kleine Knolle gewinnt das Kräftemessen und ist beim Schulbustraining der große Star. Aber ihr wichtigster Auftritt kommt erst danach. Denn als die Kartoffel vor das Rad eines Busses gelegt wird und dieser drüberfährt, ist das Staunen groß. Die Kartoffel ist nur noch Mus. Mühelos haben die rund vier Tonnen Gewicht pro Rad die Kartoffel zerquetscht. Und genau das würde mit einem Fuß passieren, der versehentlich unter einen Reifen gerät. Der Effekt ist eindrucksvoll und erzielt die gewünschte Wirkung. Die Mädchen und Jungs sind beeindruckt und wissen nun genau, warum sie am besten einen Meter Abstand von der Bordsteinkante halten sollen, sobald sich der Bus der Haltestelle nähert. „Dieses Experiment war an diesem Tag sehr beliebt“, erzählt Klassenlehrerin Grit Meßerschmidt, „aber es gab noch viele andere Höhepunkte.“

Nach Schulschließung, Wechselunterricht und Homeschooling bedingt durch die Coronapandemie ist das Schulbustraining eine willkommene Abwechslung für Kinder und Lehrerin. Endlich wieder gemeinsam vor Ort lernen und dabei jede Menge Spaß haben. Ziel des von OMNIpus durchgeführten Schulbustrainings ist, die Grundschulkinder für mögliche Gefahren rund um die Nutzung von Bussen zu sensibilisieren. Denn das Busfahren gehört zwar zu den sichersten Verkehrsmitteln, aber nur wer mögliche Gefahren kennt, verhält sich auch richtig. Zu den wichtigsten Lerninhalten gehören daher nicht nur das Verhalten an der Haltestelle, sondern auch das Einsteigen, das Verhalten im Bus und das Aussteigen.

Das Schulbustraining in Gera

Die Kartoffel ist Brei – und der Respekt vor dem einfahrenden Bus groß
Was passiert, wenn man den Fuß einklemmt?
Die Kinder erfahren, warum der Tote Winkel so gefährlich ist
Lernen mit Spaß: Den Tag werden die 23 Schülerinnen und Schüler nicht so schnell vergessen

Der „fliegende“ Schulranzen

Absolutes Highlight des Trainings ist der Bremstest. Achtung, Action. Denn was passiert mit einem falsch platzierten Schulranzen bei einer Vollbremsung? Schon bei nur 30 km/h fliegt die im Gang stehende Tasche im hohen Bogen durch den Bus. „Wow!“ „Das hätte ich nicht gedacht.“ Die Schüler sind gewarnt – und staunen nicht schlecht. Richtiges Verhalten ist in diesem Fall so einfach. Steht die Tasche vor dem Sitz oder zwischen den Beinen passiert nichts. Wie dem Schulranzen könnte es auch den Kindern gehen. Beim Stehen festhalten und möglichst in Fahrtrichtung schauen sind deshalb weitere wichtige Tipps. Wer sich nicht daran hält, darf sich zu Testzwecken an diesem Tag auch durchschütteln lassen und hat anschließend eine genaue Vorstellung was passieren würde, wenn er dabei zum Beispiel auch noch ein Eis in der Hand hält. Die Kinder erfahren auch die Funktionen von Nothammer, Klapprampe und Klemmschutz an der hinteren Tür. Ein Mädchen spielt das „Stuntgirl“ und darf ihr Bein absichtlich einklemmen. Bange Blicke. Dann die Bestätigung: „Das tut gar nicht weh.“ Ein Erlebnis, das die Kinder nach diesem Tag sicher im Alltag nicht mit ihr teilen möchten. Aber gut zu wissen, dass es so eine Sicherheitsfunktion im Bus gibt.

Schulbustraining bleibt in Erinnerung

Es sind die vielen kleinen „Aha-Erlebnisse“, die dafür sorgen, dass die Kinder noch lange an das Training denken. Und genau das ist das Ziel. Anschaulichkeit und Alltagsnähe so zu präsentieren, dass die Gefahren sichtbar werden. „Es war ein toller Tag. Viele Lerninhalte wie beispielsweise der tote Winkel werden uns auch bei der anstehenden Fahrradausbildung helfen“, sagt Meßerschmidt. Zur Demonstration dürfen sich die Kinder auf den Fahrersitz setzen. Über den rechten Außenspiegel beobachten sie ihre Klassenkameraden, die auf der rechten Außenseite des Busses stehen. Oder eben auch nicht. Je nachdem wo diese stehen, sind sie für den Fahrer praktisch „unsichtbar“. Mit viel neuem Wissen gehen die Kinder nach Hause – und nicht wenige werden vermutlich daheim ihren Eltern eine Kartoffel in die Hand drücken …

Möchten Sie mit Ihrer Klasse auch an einem Schulbustraining teilnehmen, dann melden Sie sich hier per E-Mail.