Eltern-Taxis, Kleiderordnung und Radprüfung

Verkehrserziehung in Deutschland und der Welt – die Pädagogin Katharina Dausch weiß, welche Fähigkeiten Kinder in welchem Alter haben.

Schulwegtraining und Fahrradausbildung in der Grundschule sind wichtige Bausteine für die Sicherheit von Erst- bis Viertklässlern im Straßenverkehr. Lehrer, Eltern und Polizisten ziehen übrigens in den meisten Ländern an einem Strang, um Kinder auf den richtigen Weg zu bringen.

Fabian ist sieben Jahre alt. Auf dem Weg zur Schule ist er heute zum ersten Mal allein auf der Straße unterwegs. Die Strecke hat er schon oft mit seiner Mutter geübt und auch die Nachbarn haben ihn mehrmals den knappen Kilometer bis ins andere Stadtviertel gebracht. Es erwarten ihn mehrere Straßenüberquerungen ohne Ampel und auch eine unübersichtliche Ausfahrt aus einem vielgenutzten Parkplatz.

Schulweg ist eine perfekte Trainingseinheit

„Fabians Eltern haben das ganz richtig gemacht. Statt den Jungen mit dem Eltern-Taxi in die Schule zu fahren, haben sie mit ihm den Fußweg geübt. Das ist die beste Möglichkeit, um Verkehrssicherheit zu trainieren,“ weiß Grundschullehrerin Katharina Dausch. Seit Jahren begleitet sie Mädchen und Jungen beim Verkehrstraining. Wenn Kinder nach und nach selbständig werden, bleibt das Bedürfnis der Mütter und Väter bestehen, ihren Nachwuchs zu beschützen. „Das bedeutet aber nicht, dass Grundschüler überall hingefahren werden müssen“, so die Pädagogin. Nicht nur für das tägliche Pensum an Bewegung sei der Fußweg zur Schule für die Kids das Beste. Auch, um sich sicher im Straßenverkehr bewegen zu können, sei dies die sinnvollste Übung. Dausch hebt hier das Modell „Laufender Schulbus“ hervor, das an vielen deutschen Schulen praktiziert organisiert wird. Hier wechseln sich die Eltern ab, die die Mädchen und Jungen an einem Treffpunkt, der „Haltestelle“, zu Fuß abholen und zur Schule bringen. „Auch eine gute Gelegenheit, nochmals für das richtige Verhalten zu sensibilisieren“, rät die Mutter von zwei Kindern.

Mit Sicherheit eine gute Idee: Den Schulweg in der Gruppe zurücklegen

Verkehrserziehung ist auch international ein Thema

In englischsprachigen Ländern, allen voran Großbritannien und USA, sind Eltern und Ehrenamtliche ebenfalls ins Verkehrsgeschehen eingebunden. Schülerlotsen helfen Kindern über die Straße, indem sie Fahrzeuge anhalten. Auch in unübersichtlichen Situationen, zwischen parkenden Autos oder hinter dem haltenden Schulbus, sorgen die Erwachsenen für mehr Sicherheit.

Wichtig sei es, so die Lehrerin, dass die Arbeit von Lehrern, Eltern und der Polizei ineinandergreife. „Als Pädagogin kann ich zum Beispiel die Kinder für reflektierende, helle Kleidung in der Dämmerung sensibilisieren. Was die ABC-Schützen später wirklich anziehen, entscheiden sie selbst oder die Eltern.“ Auch die Uniformierten leisten nach ihrer Meinung wichtige Arbeit bei der Verkehrserziehung. Es herrsche gleich mehr Aufmerksamkeit in der Klasse, wenn ein freundlicher Polizist die Regeln erklärt, sagt Dausch, die selbst einmal Polizistin war. In Frankreich nutzt man diesen Effekt, hier üben Polizisten gemeinsam mit Schülern das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Die Vereinigung „La Prévention Routière“ beispielsweise organisiert gemeinsam mit Verkehrspolizisten ein Radtraining für Sechs- bis Elfjährige. Hier wird mit Parkouren zunächst die Geschicklichkeit auf dem Fahrrad geübt, bevor die Kinder im Straßenverkehr fahren dürfen.

Auch in Spanien kennt Dausch eine sinnvolle Regelung: In den Schulbussen fahren engagierte Erwachsene mit, die den Fahrer entlasten. Sie ermahnen die Schüler, sorgen dafür, dass jeder an der richtigen Haltestelle aussteigt und achten beim Verlassen des Busses auf die Sicherheit der Kinder.

Vier Tipps von der Pädagogin, wie der Schulweg sicherer wird


1. Die richtige Kleidung

Tragt helle, reflektierende Kleidung. Vor allem die Hosen sollten diesen Kriterien entsprechen, denn Autoscheinwerfer leuchten Jacken und Mützen oft gar nicht an.

 


2. Kontakt aufnehmen

Erst wenn ihr sicher seid, dass euch der Autofahrer sieht und vorbeilässt, geht es auf die Straße. Spiegeln die Scheiben oder ist die Situation nicht eindeutig: stehen bleiben!

 


3. Umwege gehen

Lieber einen kleinen Umweg für einen sicheren Übergang. Du hast es eilig? Trotzdem bitte nicht zwischen den Parkenden Autos durchflitzen, wenn sich ein paar Meter weiter ein Zebrastreifen befindet.

 


 4. Konzentration

Kommt ihr an eine vielbefahrene Kreuzung, bitte kurz innehalten. Nicht nur stehen bleiben, sondern auch das Gespräch einstellen.